Olympiatagebuch Rio 2016 Teil 3 – Startschuss!

Es ist der Morgen nach der großen Eröffnungsfeier im Maracana und somit der Beginn der ersten Wettkämpfe. Mir persönlich hat die Opening Ceremony gut gefallen. Verglichen mit London vor vier Jahren (das ich so etwas mal sagen bzw. schreiben und Eröffnungsfeiern bei Olympischen Spielen, bei den ich als Offizieller im Stadium saß, vergleichen kann, ist schon ein schönes Gefühl und tolles Privileg) gab es zwar weniger technische Highlights, dafür wurde viel Gefühl, Emotionen und die typisch lateinamerikanische Lebensfreude mit viel Musik und Tanz. Dementsprechend sind natürlich auch die Menschen auf den Rängen mitgegangen, haben lauthals gesungen und getanzt und als dann als letztes Team das Gastgeberland Brasilien einlief brachen alle Dämme.

Ich muss gestehen, ich hatte einige Zweifel an der Organisation, wenn dann mehrere zehntausend Menschen auf einmal das Stadion verlassen, wurde jedoch eines Besseren belehrt und muss zugeben, dass die Logistik exzellent war und wir nicht lange auf Bus oder U-Bahn warten mussten.

Apropos „Warten“ – olympische Spiele sind immer auch Spiele des Wartens. Das liegt in der Natur der Sache, wenn eine Stadt für zweieinhalb Wochen nicht nur im Mittelpunkt des Weltgeschehens liegt, sondern wenn auch die Bevölkerung durch Sportler, Offizielle, freiwillige Helfer, Touristen usw. um gut 15-20 Prozent sprunghaft ansteigt und diese Menschenmassen auch noch von A nach B befördert werden wollen. So ist es ab und zu zwar ärgerlich, aber nicht weiter verwunderlich, dass man mitunter auch einmal ein, zwei Stunden auf seinen Bus-Shuttle warten muss.

So geschehen an unserem Anreisetag vor drei Tagen, als wir zum Einkleiden abgeholt werden sollten. Es gibt zwar hier extra gebaute „Olympic Lanes“ auf den Straßen, aber das ist eben auch Südamerika und einem Einheimischen mit dessem Temperament schwer zu vermitteln, dass er diese Straßenspur nicht nutzen darf, auch wenn sie leer ist. Dennoch bin ich auch hier positiv von der Organisation überrascht, denn größtenteils funktioniert alles, auch wenn man spontan in seiner Planung manchmal umdisponieren muss. Die Anprobe und das Abholen der offiziellen Kleidung war wiedermal ein kleines Highlight und kann mit einer Shopping-Tour verglichen werden. Die weiblichen Leser können das wahrscheinlich besser nachvollziehen, aber Man(n) kann es sich so vorstellen: viele schöne, bunte Sachen (unter anderem auch Schuhe;)), die Frau alle haben möchte, um dann festzustellen, es ist gar nicht soviel Platz im Kofferraum, um das ganze Zeug nach Hause zu transportieren.

Vorgestern (Donnerstag, 03.08.) wurde dann die große Halle (Kapazität ca. 15.000; die kleine Halle ca. 5.000) in der die Herren-Spiele und ab Viertelfinale alle KO-Spiel stattfinden, besichtigt. Tolle Architektur, da gleich drei Hallen, optisch sehr gelungen, miteinander verbunden sind. In den beiden angrenzenden Hallen finden die Judo-, Ringen-, Fecht- und Karate-Wettkämpfe statt. Während die große Halle sich im Barra-Olympic-Park befindet, liegt die kleine Halle im Stadtteil Deodoro. Im Stadtteil Barra befinden sich auch unser Hotel und das Olympische Dorf.

Jeder brennt darauf, dass es nun endlich losgeht – so auch ich. Vorerst muss ich mich jedoch noch einen Tag in Geduld üben, da ich für den ersten Tag nur als „Standby-Referee“ eingesetzt bin, was nicht ungewöhnlich ist, da neun SR bei täglich sieben Spielen immer „frei“ haben. Das gibt mir die Möglichkeit erst einmal alles von außen zu beobachten und entspannt in den ersten Wettkampftag zu gehen….

 

Robert