Olympiatagebuch Rio 2016 Teil 2

…. aus dem Bus von Búzios nach Rio de Janeiro.

Das fünftägige Trainingscamp ist überstanden und nachdem ich mich über den Regen der ersten Tage beschwert hatte, nahm sich der Wettergott meiner an und bescherte uns wunderbar sonnige „Wintertage“. Dementsprechend wurden Lehrgangspausen auch intensiv am angrenzenden Strand genutzt. Bedingt durch die Winterzeit setzt hier bereits ab 17:00 Uhr Ortszeit die Dämmerung ein, so dass leider nicht viel Zeit für Freizeitaktivitäten außerhalb des Hotels blieb. Dennoch gab es genügend Anlässe (gemeinsames Grillen, Poolaktivitäten, Billard, Tischtennis und für ganz Mutige: Karaoke) abseits des offiziellen Programms, um die Gruppe zu einer „Unit“ zu formen.

„The Unit“ (die Einheit, im militärischen Sinn sogar mit Spezialeinheit zu vergleichen) war das Thema während des gesamten Lehrgangs. Immer wieder wurde in den verschiedensten Workshops darauf eingegangen. Auch in den abschließenden drei Tagen wurden häufig kleinere Gruppen gebildet, die immer wieder gemischt wurden, um dann am Tagesende die Gruppenergebnisse in der gesamten Gruppe vorzustellen und zu diskutieren. Augenmerk wurde in den letzten Tagen vor allem auf die Kriterien: Kommunikation im Team auf dem Feld, Verhalten von Spielern und Coaches, Spielkontrolle und die SR-Technik gelegt. Mangels einer Basketball-Halle vor Ort wurde kurzerhand die Technik-Einheit an den Strand verlegt, wo die Teilnehmer in den Sand gemalte Basketballfelder vorfanden. Sicherlich einmalig, aber auch in einigen Fällen nur von kurzer Dauer, da sich die Wellen des Atlantiks davon nicht beeindrucken ließen. Neben der morgendlich stattfindenden Fitness-Einheit wurden zwischendurch Fitness-Workshops gehalten, in denen auf Themen wie mögliche Fitness-Übungen im Hotelzimmer, Dehnung und Warmup, sowie technische Aspekte zu den Daten, die während eines Spiels von jedem Schiedsrichter aufgezeichnet werden, eingegangen wurde.

TagebuchColl_Teil2_klein

Je näher man dem Start der Olympischen Spiele kommt, desto präsenter wird der Sicherheitsaspekt. Die ursprüngliche Abfahrtszeit heute Morgen war auf 9:00 Uhr avisiert. Im Laufe des gestrigen Abends verschob man sie noch dreimal auf letztendlich 7:00 Uhr, da nicht nur sehr starker Verkehr in und um Rio erwartet wird, sondern auch strikte Sicherheitskontrollen.
Ein weiteres Indiz ist die Verteilung der Gruppe auf die Busse. Es wird penibel darauf geachtet, dass auch nur diejenigen im Bus sitzen, die auf der entsprechenden Busliste stehen – man konnte sich also nicht aussuchen, mit welchem Bus man fahren will. Ich nehme an, dass wenn sich der Bus-Konvoi verkehrsbedingt trennen sollte und man dann in eine Kontrolle gerät, man relativ zügig weiterfahren kann, wenn die Personen im Bus mit denen auf der Passagierliste übereinstimmen.
Vor Ort in Rio wird es dann noch zwei technische Meetings geben, in denen unter anderem die zwei Spielhallen besucht und deren Ausstattung begutachtet werden.
Heute (Mittwoch, 3. August) Nachmittag sollen alle „ITOŽs“ (International Technical Officials – damit sind wir gemeint) mit der offizielen Olympia-Ausstattung für SR und Offizielle eingekleidet werden. Durch meine Erfahrung aus London wird das, trotz entsprechendem Zeitplan für die unterschiedlichen Sportarten, sicherlich einige Stunden in Anspruch nehmen, wenn mehrere hundert Offizielle ihre Kleidung abholen wollen. Davon dann beim nächsten Mal mehr….

Gruß Robert