Saisonvorgaben für Brandenburger Schiedsrichter


Die BBV-Schiedsrichterkommission erwartet einheitliche Vorgehensweisen von allen Schiedsrichtern, damit deren Entscheidungen vor, während und nach dem Spiel für ALLE Spielbeteiligten vorhersehbar und nachvollziehbar sind.

Die nachstehenden Vorgaben wurden für den Spielbetrieb in allen Brandenburgischen Ligen entwickelt und verbindlich festgelegt. Bei den aufgeführten Kriterien für Entscheidungen handelt es sich um Festlegungen. Alle Schiedsrichter sind nachdrücklich angehalten, diese Kriterien einzuhalten und auf individuelle Vorgehensweisen zu verzichten.

Die folgenden Situationen sind nicht abschließend beschrieben.
Für alle Regelanwendungen und Regelauslegungen sind die aktuellen FIBA-Regelwerke, die DBB-Rulesletter und die Regelinterpretationen anzuwenden.

Zu weiteren Themen gelten folgende Hinweise und Vorgaben:

A. Verlassen des Mannschaftsbankbereiches (MBB) durch Trainer

Die Schiedsrichter haben zu beurteilen, ob mit dem Verlassen des MBB eine Störung des Spiels verbunden ist. Das Verlassen des MBB während des laufenden Spiels stellt eher eine Störung dar als das Verlassen des MBB, während das Spiel gestoppt ist. Auch hier gilt: Die Schiedsrichter sollen mit dem geringstmöglichen Mittel reagieren, das für eine Nichtwiederholung der Störung sorgt.

Auf eine einmalige, nicht störende Aktion muss nicht reagiert werden.
Auf eine störende Aktion muss mindestens mit einer Ermahnung reagiert werden.

Bei einer Störung in der Form „Trainer läuft auf das Feld“ während das Spiel läuft ist sofort auf technisches Foul zu entscheiden.

B. Unsportliche Fouls: Kriterien, Vorgaben

An den Kriterien für die Entscheidung auf unsportliches Foul hat sich in den letzten Jahren nichts geändert. Problematisch ist nicht die Regel sondern die uneinheitliche Umsetzung der Regel durch die verschiedenen Schiedsrichter.

Eine basketballtypische Aktion (= Handlung in Übereinstimmung mit Geist und Sinn der Regeln) ist grundsätzlich kein unsportliches Foul, wohingegen eine basketballuntypische Aktion immer ein unsportliches Foul ist zumeist: a) überharte Aktion; b) Fouls am Gegenspieler ohne den Versuch einer legalen Verteidigung.

Da die Abgrenzung zwischen persönlichem Foul und unsportlichem Foul auf allen Ebenen insbesondere bei (oft taktischen) Fouls in Fast-Break-Situationen ein Problem darstellt, hat die FIBA zur Klarstellung in Art. 36.1.4 das Beispiel eingefügt, dass Fouls bei Schnellangriffen zwingend als unsportliches Foul zu ahnden sind, wenn a) der Angreifer einen freien Weg zum Korb hat und b) der Verteidiger ein Foul von hinten oder von der Seite begeht.

Besonderen Schutz hat ein Spieler, der sich in der Luft befindet. Wird ein Kontakt in der Luft als rücksichtslos bewertet, ist ein solches Foul IMMER als unsportliches Foul zu pfeifen. Der Schutz der Spieler vor Verletzungen hat oberste Priorität!

C. Stop-the-Clock

Grundsätzlich ist das Stoppen der Spieluhr als spieltaktisches Element zulässig und gehört somit zum normalen Spiel dazu!

Eine Absicht zum Begehen von taktischen Fouls ist dem verursachenden Team zwar zu unterstellen, bedeutet aber nicht das daraus zwangsläufig „automatische unsportliche Fouls“ entstehen.

Die Schiedsrichter müssen jedoch sofort pfeifen, um eine Eskalation der Foulsituation zu verhindern („Was muss ich denn noch tun, damit du pfeifst?“)! Die SR dürfen das Spiel bzw. die Spielsituation im Sinne von Vorteil-Nachteil für das führende Team nicht interpretieren! (Gemeint ist die Nichtanwendung der Vorteil- Nachteil-Regel!)

Wir lassen die Spieler an der Freiwurflinie das Spiel entscheiden, wenn diese den Wunsch haben, es so zu tun.

D. als unsportliche Fouls in den letzten Spielminuten werden geahndet:

Fouls am Spieler ohne Ballbesitz bei Stop-the-Clock-Aktionen (Uhr läuft)

Bei Fouls während stehender Spieluhr sind durch die SR strengste Maßstäbe anzulegen.
Es ist immer auf unsportliches Foul zu entscheiden, wenn keine eindeutig basketballspezifischen Aktionen

(z.B. Block, Stealversuch, Kampf um einen freien Ball in der Luft nach Einwurf etc.) erkennbar sind. Auf unsportliches Foul ist immer zu entscheiden, wenn ein Spieler einen Gegenspieler festhält, schlägt oder stößt. Es ist sehr wichtig für unsportliche Fouls die gleichen Kriterien anzuwenden, die über das gesamte Spiel Gültigkeit haben!

E. Unerwünschtes Verhalten / Störendes Verhalten

Äußerungen und/oder Gesten, die eine direkte Beleidigung eines anderen Spielbeteiligten (Schiedsrichter, Kampfrichter, Trainer, Spieler) darstellen, führen sofort zu einem disqualifizierenden Foul.

Äußerungen und/oder Gesten, die einen anderen Spielbeteiligten oder dessen Entscheidungen herabwürdigen (z.B. „Du hast keine Ahnung“, „Scheiß Pfiff“) oder die aufzeigen, dass getroffene Entscheidungen nicht akzeptiert werden („Abwinken als Zeichen von Nichtakzeptanz“, „Aufwiegeln des Publikums durch Gesten“, „lautes, provokatives Loslachen“) führen sofort zu einem technischen Foul.

Ebenfalls mit technischem Foul wird sofort bestraft, wer den Ball wegkickt oder wer gegen Ausrüstungsgegenstände, Flaschen etc. tritt. Dabei ist zu beachten, ob sich die Aktion gegen den Schiedsrichter, gegen sich selbst oder gegen seine Mannschaftskollegen richtet (Fingerspitzengefühl).

Die zwischen Trainern, Spielern und Schiedsrichtern notwendige Kommunikation (z.B. ehrliches Fragen bei Unklarheiten) muss in angemessener, ruhiger Form stattfinden. Das Anschreien von Schiedsrichtern und Kampfrichtern ist nicht zu tolerieren und führt sofort zu einem technischen Foul.

Es ist zu ermahnen und im Wiederholungsfall mit einem technischen Foul zu bestrafen, wenn Spieler und/oder Trainer durch ihr Verhalten das Spiel stören bzw. durch ihr Verhalten den Schiedsrichter vom Spiel ablenken.

Zu dieser Fallgruppe gehören Situationen wie „ständiges Nörgeln“, „Kritisieren/Bewerten von Entscheidungen“, „Einfordern von Entscheidungen“, „Schauspielerei“, und alle weiteren Aktionen, die zu einer erheblichen Störung des Spiels führen würden, wenn man sie nicht unterbindet.

Die Schiedsrichter sollen auf auftretende Störungen so reagieren, dass die Wiederholung der Störung mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen ist.

Sie sollen mit dem geringstmöglichen Mittel reagieren, dass geeignet ist, das Ziel zu erreichen.

Bei allen Aktionen sollte auch berücksichtigt werden, ob diese aus Frust über die eigene Leistung oder aus Bosheit gegen die Schiedsrichter ausgeführt wird. Im ersteren Fall sollte eine deutliche Ermahnung ausreichen (Fingerspitzengefühl).

Zuschauer

Der Heimverein ist für das Verhalten der Zuschauer verantwortlich (Hausrecht). Nach Aufforderung durch die Schiedsrichter ist er verpflichtet, die Ordnung in der Halle aufrecht zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Dieses gilt insbesondere für folgende Szenarien:
– Zuschauer betreten das Spielfeld
– Zuschauer äußern sich rassistisch gegenüber Spielbeteiligten
– Zuschauer beleidigen Spielpartner, was über das normale Anfeuern hinausgeht.
– Sonstiges Verhalten von Zuschauern, was nach Meinung des Schiedsrichters das Spiel in seiner Durchführung gefährdet.

Ist ein Heimverein nicht in der Lage, die Ordnung wiederherzustellen, so ist das Spiel abzubrechen und ein Sonderbericht an den Staffelleiter zu senden.

F. Schmuck / Unterzieh-Shirts

Jede Art von Körperschmuck ist nicht erlaubt. Sie müssen entweder entfernt oder ausreichend abgeklebt werden. Ist dieses beides nicht möglich, so darf der Spieler nicht am Spiel teilnehmen. Sichtbare Unterzieh- Shirts sind komplett verboten. Auch ein Attest ändert daran nichts. Diese sind vor Spielbeginn auszuziehen.

G. Administrationsvorgaben für Schiedsrichter und Vereine Passkontrolle

Die Schiedsrichter müssen vor Spielbeginn alle Pässe kontrollieren. Dabei ist darauf zu achten, dass Bild, Stempel und Unterschrift auf dem Pass sind. Alle Spieler der Altersklasse U20 und jünger, haben einen orangefarbigen Pass. Alle anderen Pässe müssen weiß sein. ALLE Verstöße sind zwingend zu notieren.

Bei fehlendem Pass oder Passfoto muss ein Personalausweis vorgelegt werden, es sei denn der Spieler ist der gegnerischen Mannschaft und/oder den SR ́n persönlich bekannt. Die Personalausweisnummer und das Geburtsdatum muss auf der Rückseite des SBB vermerkt werden.

Beispiel: „Spieler Müller, M., TuS Potsdam , ohne Teilnehmerausweis. Identität durch Personalausweis- Nummer:1234567890 nachgewiesen.“

Danach muss der Spieler sein Geburtsdatum und seine Unterschrift unter den vom Schiedsrichter geschriebenen Vermerk setzen und abschließend unterschreibt der 1. Schiedsrichter.

Kampfgerichte

Für die Zeitnehmer bzw. 24-Sekunden Zeitnehmer besteht 10 Minuten vor Spielbeginn Anwesenheitspflicht am Kampfrichtertisch. Der Anschreiber hat so rechtzeitig seine Arbeit aufzunehmen, dass der komplett ausgefüllte Spielberichtsbogen (SBB) spätestens 20 Minuten vor Spielbeginn vorliegt.

Ist der SBB nicht 20 Minuten vor Spielbeginn ausgefüllt, so ist dies von den Schiedsrichtern zu vermerken. Es ist anzugeben, ob Heim oder Gast (Nichtvorlage Teamliste oder selbstständiges Eintragen, zu späte Ankunft in der Halle etc.) für die Verzögerung verantwortlich sind.

Folgende Dinge müssen zwingend am Kampfgerichtstisch / in der Halle vorhanden sein und vor Spielbeginn vom 1. Schiedsrichter überprüft worden sein:

– Spielberichtsbogen – Spieluhr

– 14/24-Sekunden-Uhr
– Mannschaftsfoul-Anzeiger
– Einwurfanzeiger
– Anzeiger für Persönliche Fouls (1-4 schwarz, 5 in rot) – Mindestens 2 verschiedenfarbige Kugelschreiber
– Anzeigetafel (manuell oder elektronisch)

Wird der Anschreibebogen schon vor Spielbeginn falsch ausgefüllt (keine Großbuchstaben, Namen falsch eingetragen etc.), so sind die Schiedsrichter angewiesen, diesen neu schreiben zu lassen und dieses auf der Rückseite mit kurzer Begründung zu vermerken.

Handlungsanweisungen bei Verstößen gegen die Ausrüstung und die Vorgaben:

Die Heimmannschaft ist dafür verantwortlich, dass die Kampfrichtertätigkeiten wahrgenommen werden. Ist das Kampfgericht nicht qualifiziert, so muss es zwingend ausgewechselt werden. Ist es nicht möglich, bei Auswechslung eines oder mehrerer Kampfrichter qualifizierte Ersatzlösungen zu bekommen, so ist das Spiel mit dem entsprechenden Vermerk auf der Rückseite abzubrechen. Es wird auch kein Spiel mit nur zwei Kampfrichtern angepfiffen, da dieses ein Protestgrund für eine Mannschaft ist (auch im Jugendbereich!). Spieler und Trainer dürfen NICHT als Kampfgericht arbeiten (Im Notfall dürfen sie einspringen, sind aber dann vom SBB zu streichen und dürfen auf keinen Fall mehr Trainer- oder Spielertätigkeiten ausüben, auch nicht in Auszeiten etc.).

H. Disqualifikationen

Grundsätzliches:
Ein Mannschaftsteilnehmer wurde disqualifiziert. Er muss den Innenraum der Halle verlassen, auch bei einer Spieldisqualifikation. In einem Disqualifikations-Fall muss unbedingt der zuständige Ressortleiter Schiedsrichterwesen/ Ansetzer und der Staffelleiter von den Schiedsrichtern informiert werden. Vorkommnisse nach Spielende, sind
in einem Sonderbericht dem Staffelleiter zu schildern. Diese dürfen nicht auf dem SBB protokolliert werden.

Vorgehen:
Auf der Rückseite folgt ein kurzer Vermerk, zum Beispiel:
„Spieler Nummer 8, Meyer, H. (TV Potsdam), wurde in der 25. Spielminute beim Stand von 60:63 wegen Schiedsrichterbeleidigung / Tätlichkeit / rohen Spiels etc. disqualifiziert. Bericht folgt.“

Mehr muss auf der Rückseite des SBB nicht notiert werden. Wichtig ist, dass die Disqualifikation beim entsprechenden Spieler auf der Vorderseite mit einem großen D gekennzeichnet wird.

Nach Disqualifikationen oder sonstigen Verstößen gegen die Sportdisziplin sendet der SR bitte spätestens am folgenden Tag einen Bericht an den Staffelleiter mit Kopie für den Ressortleiter Schiedsrichterwesen / Ansetzer.

Der Bericht muss eine detaillierte und wertungsfreie Schilderung des Geschehens enthalten, die dem Staffelleiter die Schwere der Schuld deutlich macht. Beleidigungen, Drohungen u.ä. sind unbedingt im Wortlaut anzugeben.
Ist dieser nicht vollständig in Erinnerung, ist dieses anzumerken. Bei strittigen Situationen ist eine Angabe
weiterer Zeugen (SR-Kollege etc.) sinnvoll. Die „detaillierte Schilderung“ bezieht sich auf die Disqualifikation und ihre direkten Umstände.

Hilfe unter:

Anmerkung: Die automatische Disqualifikation eines Trainers nach dem zweiten bzw. dritten technischen Foul oder eines Spielers nach einem zweiten unsportlichen Foul stellt keinen Verstoß gegen die Sportdisziplin im Sinne der Spielordnung dar. Solange Ihr ein T-Foul anzeigt und auf dem SBB ein „C“ oder „B“ steht (beim Spieler nach dem 2. unsportlichen Foul „SD“), wird daher kein Bericht benötigt. Der Trainer/Spieler hat natürlich trotzdem die Halle zu verlassen. Pfeift Ihr die Disqualifikation jedoch mit dem Handzeichen für ein D- Foul und lasst ein „D“ auf dem Spielberichtsbogen eintragen, löst dieses die Berichtspflicht aus.

I. Vorgehen bei Protesten

Proteste können nur vor Spielbeginn, in den Pausen zwischen den Spielvierteln oder vor den Verlängerungen, in Auszeiten, nach Spielende (jedoch vor Unterschrift der SR auf dem SBB) eingelegt werden. Es ist jeweils die erste Möglichkeit zu nutzen. Anderenfalls ist der Protest unzulässig. Einzig und allein Trainer, sowie Kapitän einer Mannschaft sind protestberechtigt.

Die Proteste sind dann von Euch sofort auf der SBB-Rückseite zu protokollieren; hierzu gehören: Name der protestierenden Mannschaft, Zeitpunkt des Protestes, Kurzfassung des Protestgrundes ohne detaillierte Begründung. Das „Protestfeld“ auf der SBB-Vorderseite ist von der protestierenden Mannschaft möglichst sofort abzuzeichnen. Sollte der Sachverhalt, der zum Protest führte, nicht eindeutig sein, so notiert bitte alle bekannten Einzelheiten und gebt an, welche Punkte strittig und welche unstrittig sind. Bitte beachtet, dass jeder Protest notiert werden muss.

J. Zeitvorgaben

Eine Auszeit kann nicht verkürzt werden, sondern dauert in jedem Fall 1 Minute (Signal nach 50 Sekunden).

Die Halbzeitpause dauert 15 Minuten, es sei denn ALLE Spielpartner (Heimverein, Gastverein und Schiedsrichter) sind mit einer Verkürzung einverstanden. Sollten Pausen willkürlich verkürzt werden, ist das ein Protestgrund und das Spiel wird ggf. kostenpflichtig wiederholt.

K. Alkoholverbot

Im Bereich der Mannschaftsbänke und des Kampfrichtertisches gilt ein strenges Alkoholverbot. Verstöße haben das Auswechseln des Kampfgerichtes, bzw. den Verweis aus dem Mannschaftsbankbereich zur Folge.

Im Wiederholungsfall wird das Spiel abgebrochen. Offensichtlich alkoholisierte Spieler, Trainer, Kampfrichter etc. dürfen am Spiel ausdrücklich nicht teilnehmen. Hier müssen die Sportler geschützt werden. Sollten Schiedsrichter alkoholisiert in die Halle kommen, so sind die Mannschaften angehalten, nicht anzutreten. Die Kosten für den Spielausfall trägt der Verein des Schiedsrichters. Bei derartigen Vorkommnissen ist ein Bericht an den Ressortleiter Schiedsrichterwesen zu verfassen, auch wenn das Spiel stattfinden sollte.

L. Schiedsrichtervorgaben

SR sind spätestens 20 Minuten vor Spielbeginn umgezogen beim Kampfgericht (OL-SR sind eine Stunde vor Spielbeginn in der Sporthalle)
SR tragen ein offizielles Schiedsrichterhemd und eine lange, dunkle Sporthose.

Ein Nichtstattfinden bzw. Abbrechen des Spiels kann immer nur die letzte Option sein!!!


Und hier das Ganze noch mal als Download: